Glas ist ein wertvoller Rohstoff

16. Juni 2022 | Lesedauer 4 Minuten

Die Sammlung von Behälterglas gehört neben der Sammlung von Papier-Pappe-Kartonagen und Bioabfall aus Sicht der Verbraucher wohl zu den Selbstverständlichkeiten der heutigen Getrenntsammlung. Sie sind damit fester Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Dies liegt auch daran, dass bundesweit für Getränkeflaschen, Konservengläser oder sonstiges Verpackungsglas über 250.000 Altglascontainer zur Verfügung stehen. Der oftmals kurze Weg zum Container in der Nachbarschaft oder die einfache Abgabe auf dem Weg zum Einkauf erleichtern die Sammlung und tragen so zu den hohen Erfassungsmengen bei.

Als ich letztens mal wieder zu einem Glascontainer in unserer Nähe gefahren bin, kam ich mit einer anderen Person ins Gespräch. Wir haben uns über folgende Fragen unterhalten:

  1. Lohnt sich Glasrecycling eigentlich?
  2. Warum ist Altglas nach Farben getrennt?
  3. Warum dürfen bestimmte Glassorten nicht in die Container?

Diese Fragen mit den Antworten „Ja“, „Weil’s richtig ist“ und „Weil sie zu groß sind“ abzutun, ist sicher zu einfach. Nachfolgend werden wir diesen drei Fragen auf den Grund gehen.

Lohnt sich Glasrecycling?

Die Frage, ob sich die Sammlung von Altglas lohnt, ist durch die Vorteile der Energieeinsparung und Ressourcenschonung schnell zu beantworten. Durch das Recycling von Altglas und die Herstellung von z.B. neuen Weinflaschen mit einem Anteil alter Weinflaschen reduziert sich der Energiebedarf um etwa 3 Prozent. Darüber hinaus werden 3,6 Prozent CO2-Emissionen eingespart. Diese Werte werden erlangt, wenn 10 Prozent Altglas dem Schmelzofen hinzugefügt werden.

Gleichzeitig werden in der Glasproduktion Rohstoffe wie Quarzsand, Soda und Kalk eingespart. Das vermeidet weitere Umweltbelastungen. Quarzsand und Kalk sollen unbegrenzt zur Verfügung stehen, müssen aber abgebaut werden; es erfolgt also ein Eingriff in die Natur. Bei der Herstellung von Soda wird ein chemischer Prozess angestoßen, im Laufe dessen Calciumchlorid ins Abwasser gelangt.

Insgesamt beträgt die Recyclingquote bei Behälterglas laut dem Fachverband Glasrecycling inzwischen über 90 Prozent. Glas lässt sich unendlich oft – bei gleichbleibender Qualität – wiederverwenden, wird es in den Schmelzprozess zurückgeführt. Mehr als 3 Mio. Tonnen Behälterglas werden jährlich in Deutschland gesammelt und somit über 80 Prozent der in Verkehr gebrachten Produktionsmenge im Kreislauf verwendet. Aus Behälteraltglas können nicht nur neue Flaschen, sondern auch Flachglas und andere Produkte hergestellt werden.

Recyclingglas kommt auch bei der Herstellung von Dämmstoffen zum Einsatz. Die Sammlung von Altglas ist daher durch seine hundertprozentige Wiederverwertung ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.

Warum soll Altglas nach Farben sortiert werden?

Neue Glasflaschen bestehen bis zu 70 Prozent aus Recyclingglas, grüne Flaschen sogar teilweise zu 90 Prozent. Wichtig ist bei der Sammlung die konsequente Trennung nach Farben. Aber warum ist das so? Der Einsatz von Altglas hängt von den herstellerspezifischen Anforderungen an den Reinheitsgrad der Scherben ab. Die Herstellung von Weißglas ist mit gefärbtem Glas nicht möglich. Daher ist bei der Sammlung unbedingt auf die farbliche Sortierung zu achten: Weiße Flaschen kommen in weiße Container, braune Flaschen in – soweit vorhanden – braune Container und blaue bzw. bunte Flaschen in die grünen Container. Leider sind nicht alle Container von den zuständigen Unternehmen entsprechend farblich gestrichen oder markiert. In diesem Fall müsst Ihr auf die Beschilderung achten. Übrigens erfolgt nicht nur die Sammlung getrennt nach Farben, sondern auch die Leerung der Container in die Sammelfahrzeuge. Entweder wird in einer Tour nur eine Farbe zurzeit geleert oder die Entsorger fahren mit sogenannten Mehr-Kammerfahrzeugen.

Bei Altglas ist vor allem wichtig zu wissen:

Schon eine grüne Flasche im Weißglascontainer reicht und die gesamte Ladung muss oftmals aufwendig und teuer sortiert werden. Noch schlimmer ist ausrangiertes Geschirr, denn das übersteht höhere Temperaturen und verunreinigt das geschmolzene Glas.

Warum dürfen bestimmte Glassorten nicht in die Container?

Die Reinheit der Scherben ist nicht nur von den Farben abhängig. Verunreinigungen gibt es auch durch Keramik, Steingut und Porzellan (KSK) sowie NE-Metalle (NE= Nicht-Eisen). Der Grenzwert für KSK beträgt lediglich 25 Gramm pro Tonne, für NE-Metalle sogar nur 5 Gramm pro Tonne. Die kritische Grenze ist schon durch wenige Metallverschlüsse erreicht. Durch diese strengen Vorgaben ist heute ein Reinheitsgrad von 99,5 Prozent möglich. Nach der Sammlung und vor der Schmelze wird Altglas noch aufwendig aufbereitet, damit der Reinheitsgrad auch ganz sicher erreicht wird. Das Altglas wird zu kleinen Scherben gebrochen. Magnete und Abscheider entziehen Metalle, Luftsauger entfernen kleine Kunststoffe. Laser „schießen“ auf die schweren KSK-Teile und auf „falsche“ Farben und entfernen sie vom Transportband. Es gibt außerdem auch Glassorten, die den Recyclingprozess von Behälterglas negativ beeinflussen. Hierzu gehören zum Beispiel Trinkgläser, Bleiglas oder zum Beispiel Weihnachtsbaumkugeln. Aber auch Fenster und Autoscheiben, Ceran-Kochfelder und Spiegel schaden diesem Prozess. Wie ihr diese und andere Abfälle richtig entsorgt ist den Websites des regionalen Abfallwirtschaftsbetriebs zu entnehmen. Zudem informiert die Kampagne Was passt ins Altglas darüber, was in den Altglas Container gehört und was eben nicht.

Schon gewusst?!

Weckgläser sind kein Fall für den Altglascontainer. Sie gehören in die Restmülltonne. Die Zusammensetzung eines Weckglases ist eine andere als bei einem Verpackungsglas für Lebensmittel, das im Glascontainer entsorgt werden kann.

Mach mit und trenn dich von deinem Altglas!

Es ist eigentlich gar nicht so schwer, Altglas richtig zu trennen. Je sortenreiner wir Behältergläser sammeln und den Einwurf von Störstoffen vermeiden, desto besser funktioniert das Recycling. Der Einsatz von Recyclingglas spart Energie, schont die Umwelt und natürliche Ressourcen. Also: Mach mit und trenn dich von deinem Altglas! Denn nur dann ist Glas ein wertvoller Rohstoff. Trennen rockt!

Zum Schluss noch ein Abfallvermeidungs-Tipp:

Besser als richtig Trennen ist eigentlich nur das Weiternutzen. Alte Glasflaschen und Marmeladengläser kann man säubern und in Ihnen Getränke und Nahrung aufbewahren. Ebenso lassen sie sich als Blumenvasen, Stifte-Behälter oder Kerzenständer nutzen.

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