Ungenutztes Potential: Zu viele Wertstoffe in der Restmülltonne

1. Dezember 2020

Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht. Doch dieser Beitrag widmet sich nicht der Abfallvermeidung. Vielmehr geht es hier um den richtigen Umgang mit Abfällen, die zu Hause anfallen und den Status Quo der Restmülltonne in Deutschland. Sie ist zu voll und enthält leider sehr viele Wertstoffe, die im Recyclingprozess verloren gehen.

Ein Kommentar von Dirk Sopha, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Dithmarschen.

Eine im Juli 2020 vorgestellte Analyse des Umweltbundesamtes zeigt, dass wir nicht nur viel wegwerfen, sondern unseren Müll leider oftmals auch falsch trennen. Das wird besonders deutlich an den tatsächlichen Inhalten der Restmülltonne. In 2018 fielen in Deutschland ganze 128 Kilogramm Restmüll pro Einwohner an. Nur ein Drittel der Menge gehörte tatsächlich hier hinein. Dazu zählen zum Beispiel Hygieneprodukte, Windeln, Staubsaugerbeutel und Kassenzettel aus Thermopapier sowie Kehricht. Bei den anderen zwei Dritteln handelt es sich um verwertbare Abfälle, die durch das falsche Trennen dem Recyclingsystem entgehen. Hierzu zählen insbesondere Bioabfälle, Kunststoffe, Altpapier und Altglas.

Bioabfall und andere Wertstoffe gehören nicht in die Restmülltonne

Laut Analyse des Umweltbundesmtes sind die Restmülltonnen zu 39,3 Prozent mit Bioabfall gefüllt. Leider haben wir in Deutschland keine flächendeckende Biotonne. Das ist ein trauriges Szenario. Außerdem wird gerade in Großstädten oft beobachtet, dass Bewohner von Großwohnanlagen ihre biologischen Abfälle in die Restmülltonne befördern und ihre Obst- und Gemüsereste in den eigenen vier Wänden nicht getrennt sammeln. Hier kommt oftmals alles in einen „Eimer“. Schade. Pro Person gelangt so innerhalb eines Jahres etwa 50 Kilogramm Biomüll in den Restmüll. Aus Küchen- und Gartenabfällen werden, wenn sie in der Biotonne landen, wertvoller Kompost für die Landwirtschaft und umweltfreundliches Biogas hergestellt. Das macht das Trennen von Bioabfall zu einem wichtigen Schritt zum Klimaschutz.

Doch nicht nur biologische Abfälle landet viel zu oft in der Restmülltonne. Auch andere Wertstoffe, wie zum Beispiel Kunststoffverpackungen. Sie gehören in die gelbe Tonne oder den gelben Sack. Aus manchen Kunststoffverpackungen können sogenannte Rezyklate hergestellt werden, aus denen wiederum neue Verpackungen entstehen. Leider gelingt hier der Wiedereinsatz von Kunststoffrezyklaten in der Praxis nur unzureichend.

Auch Altpapier landet viel zu oft im Restmüll. Das ist besonders ärgerlich, denn  Altpapier lässt sich bis zu siebenfach recyceln. Aludosen, Getränkeflaschen aus Glas oder Elektroaltgeräte landen ebenfalls oftmals in der Restmülltonne. Hier gehen echte Rohstoffe verloren, denn die Restmülltonne ist wirklich nur für den „Rest“ gedacht, der nicht wiederverwertet werden kann.

Fehlwürfe stehen auf der Tagesordnung

Auch in Bio- und Gelben Tonnen sind Fehlwürfe an der Tagesordnung. Diese stören die Verwertungsprozesse erheblich und beeinträchtigen die Qualität der Recyclingprodukte. Kompost wird vorrangig in der Landwirtschaft eingesetzt, erhöht den Humusanteil der Böden und verbessert die Bodenqualität. Das Plastik kann trotz händischer Sortierung und Sieben am Ende des Produktprozesses zur Gewinnung von Kompost nicht vollständig vermieden werden und belastet als Mikroplastik die Natur. Auch Rezyklate aus Kunststoff sind in der Regel nur dann für neue Produkte einsetzbar, wenn Sie frei von Verunreinigungen sind. Saubere Mülltrennung hilft nicht nur den Müllwerkern und dem regionalen Abfallwirtschaftsunternehmen, richtiges Trennen von Abfällen in den eigenen vier Wänden ist ein wichtiger Schritt zum Klimaschutz.

Am besten ist es, sich in der Küche vier Behälter anzuschaffen:

  • Ein Behälter für Papier zum Sammeln von Papierverpackungen, Zeitungen & Co,
  • ein Behälter für biologische Abfälle (Essensreste),
  • ein Behälter für Verpackungen aus Kunststoff oder Metall sowie
  • ein Behälter für den „Rest“ – also für den Restabfall.

Altglas kann sicher an einem anderen Ort gesammelt und dann regelmäßig an der Wertstoffinsel entsorgt werden. Aber Achtung: Schon eine grüne Flasche im Weißglascontainer kann ausreichen, um die gesamte Ladung für die Verwertung unbrauchbar zu machen. Deshalb muss aufwendig und teuer sortiert werden. Noch schlimmer ist ausrangiertes Geschirr. Das übersteht höhere Temperaturen und verunreinigt das geschmolzene Glas. Also immer nur Glas einwerfen und auf die Farbe achten.

Richtig trennen und zum Klimaschutz beitragen

In unseren Restmülltonnen schlummert immenses ungenutztes Recycling-Potential, das in Zukunft genutzt werden muss. Wie sind die vielen sogenannten Fehlwürfe zu erklären? Warum landet so viel Biomüll in der Restmülltonne?  Liegt es an mangelndem Wissen? Oder ist es reine Bequemlichkeit? Die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger werden ihre Aufklärungsarbeit intensivieren, um das Rohstoff-Potential in Zukunft besser nutzen zu können. Die Bürger*innen müssen verstehen, wieso, weshalb und warum die getrennte Sammlung von Abfällen sinnvoll ist. Sauberes Material ist die Grundlage für die Herstellung eines wertvollen Produktes, ganz egal, ob es sich um Altpapier, Kunststoffrezyklate oder um Bioabfall handelt, der zu Kompost weiterverarbeitet wird. Ziel ist eine echte und funktionierende Kreislaufwirtschaft, in der kaum noch Restmüll anfällt und die Rohstoffe wiederverwendet werden. Apropos Bioabfall: Die Natur kennt keinen Abfall! Daran sollten wir uns alle orientieren.

Mach mit, schone Ressourcen und trenn richtig. Dein Müll steckt voller Potenzial und ist ein echter Rohstoff. Trennen rockt!

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